Rekonstruktion

Bronzezeit mit Brigid, Penthesilea und Jörg Nadler

Puppen in Kleidung und Trachtenschmuck der älteren nordischen Bronzezeit im 14. Jhdt. v.u.Z.

1024 682 Historischer Fischer

Archäologische Quellen und eine Idee

In Dänemark und Schleswig-Holstein haben sich durch günstige Umwelteinflüsse in einer Anzahl von Grabhügeln aus der älteren Bronzezeit komplette Kleidersätze der dort bestatteten Frauen und Männer erhalten. Unter Luftabschluss und in einem feuchten Milieu erhielten sich sogar die Frisuren und die Haarnetze der dort bestatteten Frauen.

Zunächst ließ ich mir vor einigen Jahren von meiner 2019 verstorbenen Freundin Sylvia Crumbach den Leibrock von Trindhǿj und den kurzen Rock von Borum-Eshǿj sowie einen Mantel und die in den Gräbern erhaltenen Wollgürtel replizieren. Die Arbeit an der Kleidung und den benötigten Zeitaufwand bei der Herstellung dokumentierte Sylvia damals als studierte Historikerin. Von ihren detailgetreuen Textilrepliken waren die Museen begeistert, gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, für Ausstellungszwecke auch die unterschiedlichen Frauentrachten als Replikate anzufertigen. Sylvia verstarb leider aber im Juli 2019.

Nach dem Tod von Sylvia kamen vermehrt Museumsanfragen, wer Repliken von bronzezeitlicher Frauenkleidung anfertigen könnte. Aus diesem Grund erstellte ich mit Hilfe der Weberin Silvia Bestgen, dem Bronzegießer Patrick Fuhrmann sowie der Keramikerin Bettina Kocak die kompletten erhaltenen Grabinventare der Frau von Borum-Eshǿj und dem Frauengrab von Neddesitz (Rügen).

Die Bestattung der Frau von Borum-Eshǿj im Vergleich zu den Männergräbern im gleichen Grabhügel

In diesem Grabhügel fanden sich in Eichenholzsärgen aus gespaltenen und ausgehöhlten Eichenstämmen die Bestattungen einer älteren Frau, eines älteren Mannes und eines jüngeren Mannes, deren Kleidung aus Wolle fast komplett erhalten ist. Während die Männergräber bis auf die erhaltene Kleidung eher schlicht mit Grabbeigaben ausgestattet sind, fällt hier das reiche Frauengrab besonders auf.

Als Grabbeigaben neben seiner Kleidung enthielt das Grab des älteren Mannes (Alter: 50 – 60 Jahre) lediglich eine Holznadel und überhaupt keine Bronzebeigaben.

Die Kleidung des Verstorbenen bestand aus einem kurzen Rock mit Webgürtel und einem Mantel. Die Jahresringe des Baumsarges ergeben bei der dendrochronologischen Untersuchung ein Fälldatum um 1351 vor Beginn unserer Zeitrechnung.

Der jüngere Mann (Alter 20 – 22 Jahre) hatte als Grabbeigaben neben seiner Kleidung und einem Ledergürtel eine Schwertscheide, in welcher aber nur ein einfacher Bronzedolch und kein Schwert steckte. Daneben enthielt das Grab einen Kamm aus Elchgeweih, eine Kleidernadel aus Knochen und eine Dose aus Birkenrinde. Als Verschluss des Leibrocks diente ein hölzerner Doppelknopf. Das Fälldatum seines Eichenholzsarges ergibt das Jahr 1345 vor unserer Zeitrechnung.

Das sehr reiche Frauengrab

Die drei Toten aus dem Grabhügel werden als Familie gedeutet.

Leider fehlt beim Baumsarg der Frau das für die Datierung wichtige Splintholz. Vom dänischen Nationalmuseum wird aber ein ähnliches Fälldatum wie beim Grab des alten Mannes vermutet (1351 vor Beginn unserer Zeitrechnung).

Die Frau zeigte mit ihrem muskulösen Körperbau die Spuren harter Arbeit. Ihr Alter wird auf 50 – 60 Jahre geschätzt, ihre Größe betrug ca. 155 – 158 cm. In ihrem feinen Haarnetz fanden sich noch die Reste ihrer blonden Haare.

Auffällig ist der Reichtum an edlen Bronzegegenständen in ihrem Grab im Vergleich zu den beiden Männergräbern im Grabhügel.

Um den Hals trug die Frau einen tordierten Bronze-Halsring mit spiralförmigen Enden. Sehr auffällig ist ihre große, zweiteilig gegossene und mit filigranen Spiralmustern verzierte Gürtelscheibe, welche mit einem Band auf Höhe des Bauchnabels mit dem Wollgürtel ihrer Kleidung verknotet wurde. Daneben waren am Gürtel zwei Tutuli-Zierscheiben unterschiedlichen Typs befestigt. An den Armen trug sie zwei verzierte bronzene Armreife aus flachen Bronzeband und den Fingern zwei spiralförmige Fingerringe.

Gürtelscheibe Borum-Eshǿj

Die Gürtelscheibe der Frau von Borum-Eshǿj

Eine der ältesten Fibeln Nordeuropas

Der Frau wurde eine filigran verzierte zweiteilige Fibel beigegeben. Diese Fibel gehört zu den ältesten Nordeuropas.

Die Kleidung der Frau

Die Frau war mit einer Bluse und einem langen Rock mit großer Stofffülle bekleidet. Auf dem Kopf trug sie ein fein gearbeitetes Haarnetz in Sprangtechnik. Das feine Haarnetz steht im Kontrast zu den groben Stoffen ihrer Kleidung.

Generell sind die erhaltenen, gewebten Wolltextilien der nordischen Bronzezeit, gleich ob aus Frauen oder Männergräbern, sehr grob gewebt. Ca. 4 Kettfäden pro cm aus ungezwirntem Garn ist bei den meisten Geweben im Norden üblich. Auffällig grob sind auch die Kleidernähte. Bei der Kleidung der Frau von Borum-Eshǿj finden sich 8-10 Nahtstiche pro 10 cm Naht. Die grob gewebte und vernähte Kleidung ist ein extremer Kontrast zu der Feinheit und perfekten Symmetrie der filigranen Spiralverzierung auf der Gürtelscheibe aus Bronze. In der Bronzezeit wurde die Wolle noch nicht geschoren, sondern in der Zeit des Fellwechsels aus dem Schaffell gekämmt. Kein Fund der erhaltenen Kleidung der älteren nordischen Bronzezeit zeigt eine künstliche Einfärbung, Muster bei den Geweben wurden allein durch die Kombination von verschiedenen natürlichen Wollfarbtönen erreicht.

Die Bluse der Frau wurde im Kimonoschnitt ohne Verschnitt aus einem rechteckigen Wolltuch geschnitten.An der Bluse findet sich ein tiefer Einschnitt am vorderen Halsausschnitt. Archäologinnen und Archäologen, welche ich dazu befragte, gehen davon aus, das der Schnitt nach dem Tod zum Bekleiden der Leiche entstand. Hier weicht die Bluse in diesem Detail von den anderen in Baumsärgen erhaltenen Frauenblusen ab.

Kleidung Borum-Eshǿj
Wer war die Frau aus der reichen Bestattung?

Die Bronzezeit in Mittel- und Nordeuropa war, anders als zum Beispiel die ägyptische, schriftlos. Somit sind die wichtigsten Quellen zur Bronzezeit die archäologischen Funde und die wissenschaftlichen Ergebnisse deren Auswertung.

Bei den Bestattungen des Grabhügels von Borum-Eshǿj wird auf einen familiären Zusammenhang der hier Bestatteten geschlossen. In der älteren Literatur werden die reich ausgestatteten Frauengräber als „Frauen aus reichen Familien“ oder auch als „Frauen von Stammesoberhäuptern“ bezeichnet. Aufwendig verzierte Dolche werden in dieser Literatur (sofern sie in Männergräbern auftauchen), als „Häuptlingswaffen“ bezeichnet. Wie erklärt sich aber bei Betrachtung und Vergleich der beiden beigabenarmen Männergräber im Vergleich zu den reichen Bronzefunden des Frauengrabes aus dem gleichen Grabhügel der extreme Unterschied in der Qualität der Grabbeigaben? Könnte es nicht sehr viel wahrscheinlicher sein, dass es sich bei der reichen Frau aus dem Grabhügel um das eigentliche Familien und/oder Stammesoberhaupt handelt?

Grabgefäß Borum-Eshǿj

Grabgefäß der Frau von Borum-Eshǿj

Kamm aus Elchgeweih

Im Bereich der Gürtelscheibe der Frau fand sich ein Kamm aus Elchgeweih, wie er sich auch als Beigabe im Grab des jüngeren Mannes fand.

Der aufwändige Schmuck bronzezeitlicher Frauen war kein reiner Totenschmuck, sondern Schmuckstücke, die offensichtlich zeitlebens getragen wurden. Dies zeigen vielfältige Reparaturspuren an einigen Fundstücken. Bei Gürtelscheiben finden sich nachträgliche Bohrungen beidseitig des Mitteldornes, um diese nach dem Durchscheuern der Trageöse auf der Innenseite hinter dem Dorn weiter mit einem Band am Gürtel befestigen zu können. Reiche Frauen der Lüneburger Kultur, welche fernab ihres Kulturkreises mit ihrem auffallend reichen „Lüneburger Schmuck“ in Hessen bestattet wurden, haben zum Teil deutliche Reparaturspuren an Halsringen sowie den Bein- oder Armbergen.

Fundzeichnung und der aufwändig gestaltete Dolch aus dem Fund

Fundzeichnung und der aufwändig gestaltete Dolch aus dem Fund

Die Körpermaße der Kleiderpuppe

Mit einer Größe von 162 cm ist meine Kleiderpuppe ca. 4 – 7 cm größer als die errechneten Körpermaße der Frau von Borum-Eshǿj.
Zum Vergleich hier die errechneten Körpergrößen von drei Frauenbestattungen aus Baumsärgen mit Textilerhaltung aus Dänemark.

Die Frau von Borum-Eshǿj 155-158 cm
Die Frau von Egdved 160-164 cm
Die Frau von Skrydstrup 170-171 cm

Das Frauengrab von Neddesitz (Insel Rügen)

Auf Rügen wurde im 19. Jhdt. der Kegelgrabhügel von Neddesitz geöffnet. Die Berichte zur Auffindung der Funde sind leider spärlich. Leider wurden zu dieser Zeit viele Grabhügel von archäologischen Laien geöffnet und viele mögliche Funde dabei unwiederbringlich zerstört. Auch bei dem Grab von Neddesitz sind nur noch die bronzenen Funde, nicht aber deren Anordnung im Grab erhalten. Vergleichbare Gräber mit ähnlicher Ausstattung erlauben aber eine ungefähre Anordnung der gefundenen Schmuckstücke.

Das reich ausgestattete Grab einer Frau enthielt eine große, 2-teilig gegossene und mit reichem Spiraldekor verzierte Gürtelscheibe, Dazu 11 Tutuli, 2 große Spiralnadeln, einen Fingerring und die Überreste eines bronzenen Messers vom Typ „Rahmengriffmesser“. Insgesamt sind die Bronzeobjekte stark verwittert, lassen sich aber durch gute detailgetreue Zeichnungen der Funde gut rekonstruieren. Offensichtlich gehörten die Tutuli zu einem nicht erhaltenen Kleidungsstück (vergleichbar wie im Frauengrab von Hverrehus – Dänemark).

Auch im Grab von Hverrehus gibt es keine Textilerhaltung, wobei sich die Tutuli im Oberkörperbereich der bestatteten Frau fanden. In Neddesitz wurde offensichtlich mit den beiden Spiralnadeln ein Kleidungsstück (Schultertuch oder Mantel) mit Tutulibesatz auf der Oberbekleidung befestigt.

Da in den mir aus der Literatur bekannten Gräbern die Tutuli in symmetrischer Zahl vorhanden sind, ließ ich für meinen Rekonstruktionsvorschlag die Grabausstattung einen Tutuli mehr als im Befund vorhanden replizieren (12 statt 11 Tutuli).

Da die Kleidung im Grab komplett vergangen und archäologisch nicht überliefert ist, habe ich mich für einen Rekonstruktionsvorschlag, bestehend aus Bluse und Schnurrock entschieden. Die Bluse wurde in Anlehnung an den reich bestickten Fund aus Skrydstrup (Dänemark) und der Schnurrock nach dem Kieler Fund nachgefertigt. Die Maße der Replik des Kieler Schnurrocks entsprechen den Maßen des Fundes von Egdved für eine Frau mit einer Taille von 62 – 64 cm. Die Größe der zur Präsentation verwendeten Puppe entspricht mit 162 cm Größe etwa der jungen Frau von Egdved (Dänemark).

Die Funde aus dem Kegelgrab von Neddesitz auf Rügen befinden sich heute im Archiv des Museums Stralsund.

Literatur/Quellen

  • Museum Moesgard (Grab von Borum-Eshǿj)
  • Dänisches Nationalmuseum Kopenhagen (Gräber von Skrydstrup, Egdved und Hverrehus)
  • Museum Stralsund (Vielen Dank für die Zusendung der Informationen zu dem Grab von Neddesitz durch Frau Kasten )
Das Frauengrab von Neddesitz

Rekonstruktion des Frauengrabs von Neddesitz

Rekonstrukion des Rahmenmessers

Dolch und Schwertscheiden der Bronzezeit mit Holzkernen und möglichem Aalhautbezug

1024 858 Historischer Fischer

Aus der älteren nordischen Bronzezeit gibt es einige Funde von erhaltenen Dolch- und Schwertscheiden, von denen einzelne aus Rindsleder bestehen. So zum Beispiel die Scheide des Dolches von Borum-Eshøj. Vor allem aus den Hügelgräbern in Dänemark gibt es auch komplett erhaltene Holzscheiden. Auffällig ist hier, dass diese sehr dünn gearbeitet sind und keine Holznägel, Nägel, Nieten oder Ähnliches aufweisen, um die beiden Holzhälften der Scheide zu verbinden. Auch eine mögliche Befestigung des Schwertes am Trageriemen oder Gürtel fehlt. Aus späteren Zeiten sind Messer, Dolch und auch Schwertscheiden überliefert, bei denen der Holzkern mit Leder bespannt war. Zur Bespannung bietet sich dabei dünnes Leder an.

Eine Archäologin aus dem Baltikum erzählte mir von einem archäologischen Fund, welcher mich fazinierte. Sie zeigte mir das Bild eines Flintdolches der frühen Bronzezeit, an welchem noch ein Stück des Scheidenkernes aus Pappelborke anhaftete. Daran ein winziges Fragment Aalhaut. Scheiden mit Holzkern und mit Aalhautbezug sind mir aus dem Spätmittelalter, der Renissance und der Barockzeit bekannt.

Aalhaut bietet sich geradezu an, hat sie doch eine längliche Form und ist extrem reissfest, stabil und haltbar noch dazu. Meine erste mit Aalhaut bespannte Messerscheide von 2009 begleitete mich auf viele Veranstaltungen und sieht immer noch wunderbar wie am ersten Tag aus. Ich verwendete für Rekonstuktionen von Scheiden Häute von Aalen aus meinen Reusen, welche ich für die Kundschaft nach dem Töten des Fisches im ganzen Stück abziehe. Habe ich einen Holzkern für einen Dolch oder sogar ein Schwert, so ziehe ich die Haut im Ganzen über den Holzkern, wobei die Scheide ohne Naht auskommt. Beim Trocknen der Aalhaut wird die Scheide zu einer festen Einheit, als ob sie mit Fiberglas beschichtet wäre. Die Haut braucht im Anschluss nur noch mit Öl gepflegt werden.

Sommeraale haben dünnere Häute als abwandernde großen Blankaale, welche ich vor allem im Herbst fange. Bei Scheiden, welche mit der Haut von Grünaalen bezogen wurden, zeichnet sich sogar die Maserung des Holzes oder feine Schnitzereien des Scheidenkernes durch die Fischhaut ab. Bei der dicken Haut von Blankaalen müssen die Muster der Scheiden schon gröber sein – wie bei den Funden von Vamdrup Ribe Amt oder aus Vorgod.

So habe ich eine Nachahmung des Fundes der Holzscheide von Vorgod mit einem Griffangelschwert kombiniert, welches perfekt zu dem Scheidentyp und der Form passt. In einigen Baumsarg-Gräbern der Bronzezeit fehlten die Schwerter, während die Schwertscheide als Grabbeigabe leer (wie in Vorgod) oder mit einem kurzen Dolch anstatt des Schwertes im Grab des jungen Mannes von Borum-Eshøj beigegeben wurden.

Leder ist aus Gräbern meist nur schlecht erhalten. Es haftet nicht direkt auf der oxidierten Bronze an, wie bei dem Dolch der Frau von Borum- Eshøj. Holzteile dagegen haben sich ebenso gut wie Wollkleidung und die Haare der bestatteten Toten in den Baumsägen in einigen Hügelgräbern erhalten. Ein möglicher Bezug aus Aalhaut wäre unter diesen Bedingungen kaum erhalten geblieben.

Hier also meine Rekonstruktionsvorschläge von bronzezeitlichen Dolch und Schwertscheiden mit möglichem Aalhautbezug und Trageschlaufen aus Aalhaut oder Rindsleder.

Angelhaken als Grabbeigabe in der Bronzezeit

600 652 Historischer Fischer

Angelhaken als Grabbeigabe

Angelhaken als Grabbeigaben finden sich als archäologische Funde durch die gesamte Bronzezeit.

Einen faszinierenden Fundbericht bekam ich im März 2016 durch Herrn Plackinger von der vor- und frühgeschichtlichen Arbeitsgruppe Mühlheim am Main zugesandt. Dabei handelt es sich um einen archäologischen Fund aus der Hügelgräberbronzezeit,
datiert auf die Zeit um 1500-1200 v. Chr. In einem Grab fanden sich eine zerbrochene Henkelkanne, eine Flintabschlagklinge und 3 Angelhaken. Während die 2 kleineren Angelhaken zerbrochen waren, ist der dritte und größte sehr gut erhalten.

Zum einen lässt sich auf einem Foto des Fundes noch der Abdruck einer feinen Schnur am Hakenschaft unterhalb des umgebogenen Öhrs erkennen. Da diese Schnur aus meiner Sicht als als als Berufsfischer und Angler für eine Angelschnur oder ein Vorfach zu fein ausgelegt war, gehe ich davon aus, das eine stabilere Angelschnur am Hakenschaft mit dieser dünneren Schnur fixiert wurde. Eine solche Befestigung kenne ich sowohl von ethnologischen Vergleichen wie auch von einer neuzeitlichen Abbildung von Diderots‘ Encyclopèdie aus dem Jahre 1764. Beim vorliegenden Fund fixierte offensichtlich die dünnere Schnur das Vorfach etwa bis zur Schaftmitte des Hakens.

Herr Plackinger sandte mir freundlicherweise auch einen Abguss des betreffenden Angelhakens aus Bronze zu. Bei diesem Abguss vom Original lassen sich interessante Details der Fertigung erkennen. Angelhaken aus Bronze stellten in der Bronzezeit einen gewissen
Wertgegenstand dar. Auffällig ist diesbezüglich bei dem 5,8 cm großen komplett erhaltenen Angelhaken dessen vergleichsweise grobe Fertigung im Vergleich zu anderen mir bekannten Funden. Der Haken ist im Profil vierkantig bis auf das flach ausgehämmerte Öhr am Schaftende. Auch beim Abguss lassen sich noch sehr gut die Hammerschläge vom Aushämmern des Schaftes erkennen. Ob dieser Angelhaken an einer Angelrute oder einer Handleine mit Haspel verwendet wurde, wie sie durch Bilder und Funde aus anderen Regionen belegt sind, lässt sich natürlich nicht mehr sagen.

Mit Angelhaken der entsprechenden Größenordnung fing ich bereits erfolgreich Meerforellen, Lachse, Hechte und Zander. Diese Fische waren in der Bronzezeit z.T auch im Main beheimatet.

Publiziert wurde der Fund in : „Fundberichte aus Hessen“, 26. Jahrgang 1986, Landesamt für Denkmalpflege Hessen Abteilung Archäologische und paläontologische Denkmalpflege

Interessant sind hier auch die Angelhaken als Grabbeigaben in den Urnengräbern der späten Bronzezeit. Eine besser gestellte Gesellschaftsschicht erfreute sich wohl schon um 1200 v.Chr. des Angeln als Freizeitbeschäftigung. Die Grabbeigaben des Mannes, welcher in Grab 26 in Vamp in Tirol (Österreich) beigesetzt wurde und dessen Grabinventar im Tiroler Landesmuseum ausgestellt wird, deuten nicht auf einen Menschen hin, der für seinen Lebensunterhalt fischen musste. Den elitären Stand seines Besitzers als Angehörigen der lokalen Oberschicht zeigt vor allem sein Schwert, welches verbogen wurde, um als Grabbeigabe in die Urne zu passen.

In Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) in Nordrhein-Westfalen fand sich der einzige, bislang als Grabbeigabe gefundene bronzezeitliche Angelhaken in Westfalen. Dieser war als unverbrannte Beigabe einem etwa 10-12 jährigen Jungen mit in die Urne gegeben worden. Das Alter des Kindes ließ sich aus dem über 700 Gramm Leichenbrand in der Urne bestimmen. Der enthaltene Angelhaken hatte eine Länge von 3,2 cm und bestand aus ca. 2 mm starken runden Bronzedraht. Während viele Angelhakenfunde der Bronzezeit einen Widerhaken haben, ist dieser Haken ohne Widerhaken gearbeitet worden. Das Grab dieses Jungen gehört zu den 10% der Gräber aus diesem bronzezeitlichen Gräberfeld,
welche überhaupt Grabbeigaben aus Bronze enthielten.

Literatur
„Westfalen in der Bronzezeit“, Hrsg: Daniel Berenger und Christoph Grünewald,

LWL,Seite 69 „Ein Angelhaken als Grabbeigabe“ Ibbenbüren
„Auf’m Trüssel“ von Jürgen Gaffrey.

Interessant sind hier auch die Angelhaken als Grabbeigaben in den Urnengräbern der späten Bronzezeit. Eine besser gestellte Gesellschaftsschicht erfreute sich wohl schon um 1200 v.Chr. des Angeln als Freizeitbeschäftigung. Die Grabbeigaben des Mannes, welcher in Grab 26 in Vamp in Tirol (Österreich) beigesetzt wurde und dessen Grabinventar im Tiroler Landesmuseum ausgestellt wird, deuten nicht auf einen Menschen hin, der für seinen Lebensunterhalt fischen musste. Den elitären Stand seines Besitzers als Angehörigen der lokalen Oberschicht zeigt vor allem sein Schwert, welches verbogen wurde, um als Grabbeigabe in die Urne zu passen.

In Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) in Nordrhein-Westfalen fand sich der einzige, bislang als Grabbeigabe gefundene bronzezeitliche Angelhaken in Westfalen. Dieser war als unverbrannte Beigabe einem etwa 10-12 jährigen Jungen mit in die Urne gegeben worden. Das Alter des Kindes ließ sich aus dem über 700 Gramm Leichenbrand in der Urne bestimmen. Der enthaltene Angelhaken hatte eine Länge von 3,2 cm und bestand aus ca. 2 mm starken runden Bronzedraht. Während viele Angelhakenfunde der Bronzezeit einen Widerhaken haben, ist dieser Haken ohne Widerhaken gearbeitet worden. Das Grab dieses Jungen gehört zu den 10% der Gräber aus diesem bronzezeitlichen Gräberfeld,
welche überhaupt Grabbeigaben aus Bronze enthielten.

Literatur
„Westfalen in der Bronzezeit“,
Hrsg: Daniel Berenger und Christoph Grünewald,

LWL, Seite 69 „Ein Angelhaken als Grabbeigabe“ Ibbenbüren
„Auf’m Trüssel“ von Jürgen Gaffrey.

Provinzialrömischer Hausschrein, 2.Jh. n.Chr.

1024 752 Historischer Fischer

Hölzerner Hausschrein in Form eines kleinen Tempels (AEDICVLA) für eine Matronendreiheit.

Aus den nördlichen römischen Provinzen sind archäologisch nur die Reste steinerner Hausheiligtümer und die darin aufgestellten Götterfiguren aus Ton, Stein, Bronze und vereinzelt auch Holz erhalten. Archäologisch sind hölzerne Hausschreine in Herculaneum und Pompeji nachgewiesen.

Zu hölzernen Hausschreinen wird weiterhin berichtet daß in den frühchristlichen Gemeinschaften Handwerker aus Berufen ausgeschlossen wurden , wenn sie Götterfiguren und hölzerne Hausheiligtümer herstellten (Zimmerleute, Schreiner und Holzschnitzer).

Die in Herculaneum und Pompeji erhaltenen Hausheiligtümer waren farbig ausgestaltet. Die Replik der Matronendreiheit, welche ich überarbeitet und farblich ausgestaltet habe, stammt aus dem römisch germanischen Museum in Köln, das Original vom Fundort Bonner Strasse in Köln wurde in der Werkstatt des Töpfers FABRICIVS, der im 2 Jh. in Köln arbeitete, hergestellt. Die Keramikrepliken (Öllampe und Räucherkelch) stammen von Anneclaer Bours, die bronzene Figur eines Genius von Markus Neidhardt.

Quelle: „Mercur & CO, Kult und Religion im römischen Haus, Schriften des Kantonalen Museums für Ur-und Frühgeschichte(n) Zug, Schweiz.(Seite 42)

Fischhautbezogene Messerscheide mit Holzkern für ein Gebrauchsmesser

1024 683 Historischer Fischer

Die Aalhaut (Schwanzstück) eines ca. 1 Kg schweren Aales wurde roh und ohne Naht auf den Holzkern aufgezogen. Inspiriert zu diesem Werkstück wurde ich durch eine Nierendolchscheide aus dem frühen 15. Jh. welche mit Aalhaut bezogen war.

Aalhäute als Bezug für Dolch oder Messerscheiden erhielten sich bis weit in die Neuzeit. So liegen aus dem 17. Jh. noch Hirschfänger vor, deren hölzerne Scheide mit Aalhaut bezogen ist.

Fischwirbel als bronzezeitlicher Schmuck

1000 667 Historischer Fischer

Bereits aus dem Neolithikum sind durchbohrte Fischwirbel als Schmuck bekannt. Datiert auf 1000-800 v. Chr., gehörte Schmuck aus Hechtwirbeln auch zur Ausstattung einzelner Bestattungen aus der Lichtensteinhöhle im Harz.

Insgesamt wurden dort 92 durchbohrte Hechtwirbel gefunden, von welchen vermutet wird, das diese eventuell zu zwei Ketten gehörten. Auf Anfrage des Ausgräbers Dr. Flindt, dem Archäologen des Landkreises Osterrode, konnte ich Vergleichsstücke der entsprechenden Größe aus meinem Bestand liefern. Die größten der ausgegrabenen  Hechtwirbel hatten ein Durchmesser von 18 mm. Ein im Januar 2008 gefangener Hecht mit vergleichbaren Wirbeln dieser Größe aus der Schlei hatte ein Gewicht von 12,5 kg und eine Länge von ca.1,15 –1,20 m.

Über eine eventuelle Einfärbung der Wirbel, auch aus den älteren neolithischen Funden, ist allerdings nichts bekannt. Bei meiner Hechtwirbelkette für meine neolithische Ausstattung habe ich einzelne Wirbel mit Eichenrinde und Eisenocker eingefärbt, welches einen kräftigen Kontrast zu den weissen Wirbeln bildet. Natürlich ist dies archäologisch, ebenso wenig wie die Form meiner Kette, belegt.

Alternativ zur Kette als Halsschmuck können die vergangenen vorgeschichtlichen Kleidungsstücke zum Beispiel im Halsbereich  auch mit Hechtwirbeln bestickt worden sein